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«Wer Hunger hat, verliert seine Würde und seinen Platz in der Gesellschaft », sagt Souleymane Bassoum, Fastenopfer-Koordinator im Senegal. Und Hunger haben viele. Denn eines der grössten Probleme im Senegal ist nach wie vor die Nahrungsmittelknappheit. Auf zwei Dritteln der Landesfläche sind die landwirtschaftlichen Erträge derart niedrig, dass sie nicht genug Nahrung für die lokale Bevölkerung abwerfen.
Hinzu kommt das Landgrabbing, der Verkauf von Land an ausländische Firmen. Während der Soudure, der rund 100-tägigen Knappheitsperiode zwischen zwei Erntezeiten, ist nicht genug Nahrung vorhanden um die Familien zu ernähren. Damit doch noch etwas auf den Tisch kommt, müssen Kredite zu horrenden Zinsen aufgenommen werden.
Um gegen diesen Teufelskreis der Verschuldung anzukommen, gibt es nur eine Lösung: «Wenn man so schrecklich arm ist, gibt es nur die Solidarität, die einem helfen kann», erklärt Bassoum. Überall im Land entstehen deshalb mit der Hilfe von Fastenopfer Solidaritätskassen. Die Mitglieder zahlen je nach ihren Möglichkeiten Beiträge ein. Aus diesem Geld können sich die Menschen bei Engpässen gegenseitig aushelfen ohne sich bei Geldverleihern verschulden zu müssen.
Bassoum erläutert, wie wichtig dies ist: Das Geld, das die Familien sparen, ist ihr eigenes Geld und nicht das, welches ihnen von fremden Organisationen zugesteckt wird. So erhalten die Menschen ihre Unabhängigkeit zurück. «Wir arbeiten mit Menschen, die jegliche Hoffnung aufgegeben haben. Auf einmal stehen sie auf und packen neue Dinge an», erzählt Bassoum.
Ein Beispiel für den Einfallsreichtum der Menschen ist das Diner commun im Dorf Keur Medoune: Die Bewohnerinnen und Bewohner legen ein grosses zusätzliches Hirsefeld an. Während der Knappheitsperiode kocht an jedem Abend eine andere Familie mit dem Getreidevorrat vom Gemeinschaftsfeld. Nach Sonnenuntergang, wenn das Essen bereit ist, gehen die Kinder durch das Dorf und rufen alle Bewohner zum gemeinsamen Abendessen zusammen.
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